Liebe Frau Kempowski,
beinahe hätte ich auch Sie kennengelernt – am 14. November vor 14 Jahren, also 1998, sind ein Freund von mir (er hatte an dem Tag Geburtstag, wurde 64) und ich auf meinen Wunsch nach Nartum gefahren, um zu schauen, ob man wirklich bei Kempowskis klingeln kann und hereingebeten wird. Nach dem Mittagessen im Nartumer Hof und meiner inzwischen etwas unsicheren Nachfrage beim Wirt(?) wurden wir quasi ermuntert, allerdings mit Hinweis auf die zwingend einzuhaltende Mittagsruhezeit – in der wir aber ohnehin nicht gestört hätten. Und tatsächlich – Ihr Mann, mein absoluter Lieblingsschriftsteller Walter Kempowski, öffnete, war, obwohl offensichtlich gerade vom Mittagsschlaf kommend, gar nicht ungehalten, im Gegenteil freute er sich über unseren Besuch, und ja, liebe Frau Kempowski, hier sagte er bedauernd, dass Sie leider nicht zu Hause seien. Schade, auch auf Sie hatte ich mich gefreut. Ihr Mann kochte Tee, führte uns durch Haus, Turm und Arbeitsbereich. Es folgten sehr anregende und für mich unvergessliche zwei Stunden, die mit der Signierung der von mir mitgebrachten Kempowski-Bücher (einer Auswahl, denn ich besaß alle bis zu jenem Zeitpunkt erschienenen) in großer Freundlichkeit endeten.
Jetzt freue ich mich auf Weihnachten, denn ich wünsche mir "Wenn das man gut geht" und habe ein paar Wochen wieder einmal beim Lesen das Kempowski-Gefühl. Und das war immer ein sehr angenehmes.
In der Hoffnung, dass es Ihnen gut gehen möge, grüßt Sie freundlich
Christiane Hey