Die Kempowski Stiftung Haus Kreienhoop wurde im Oktober 2005 von dem Schriftsteller Walter Kempowski gegründet. Sie möchte mit ihren Aktivitäten das gesellschaftliche Leben prägen und kulturelle Zukunft dauerhaft mitgestalten.
Früh, wann die Hähne krähn…
Arbeit ist das beste Mittel gegen Kummer jeder Art.
Walter Kempowski am 4. Juni 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008
Flieder. Die Blumen entfalten ihre Blütenflügel gen Himmel, „von wannen ihnen“ der Tod kommt. Daß die Menschen im Dezember Flieder haben wollen: Daran gehen wir zugrunde. Das sind die Erdbeeren im Winter und die Wegwerfkleider aus Papier.
Walter Kempowski am 8. Mai 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990
Erlebnisse: bedeutungsschwere Partikel, die im Gedächtnis kristallisieren. Die Erinnerung an das Erlebte ist nicht gleich dem Erlebten. Es hat ein Austausch mit dem Allgemeinen und mit dem Gegenwärtigen stattgefunden.
Walter Kempowski am 12. April 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Auf der „Insel“ vorm Haus ein Rest von Schnee? Woher denn das? Nein, es ist eine Schneeglöckchenkolonie.
Walter Kempowski am 3. März 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006
Träume, die sich uns entziehen, sind wie goldene Taler, die man ins Wasser wirft.
Walter Kempowski am 1. Februar 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Auch wenn ich über Vergangenes schreibe, hat das mit Zukunft zu tun, zum mindesten mit Gegenwart.
Walter Kempowski am 16. Januar 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006
In der Nacht ein großartiger Sternenhimmel. […] Allerhand größere Sterne, von denen ich gern gewußt hätte, wie sie heißen. Was man benennt, hat man.
Walter Kempowski am 9. Dezember 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008
Je besser etwas gelungen ist, desto schneller gewinnt man Abstand davon.
Walter Kempowski am 7. November 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990
In der Pädagogik gibt es kein Rezept. Jeder Tag stellt einen vor neue Aufgaben, die man selbst lösen muß, kein Mensch kann einem dabei helfen.
Walter Kempowski am 2. Oktober 1957
Wenn das man gut geht! – Aufzeichnungen 1956 – 1970, 2012
Alles Schreiben ist nur das Ertasten von Verlorenem.
Walter Kempowski am 1. September 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990
Wer Tagebuch schreibt, muß ein Sonnensegel in seinem Universum entfalten, da finden sich immer Staubpartikel.
Walter Kempowski am 20. August 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Daß Unterrichten auch dem Lehrer Spaß machen muß – sonst hält man es nicht 30 Jahre aus –, das begreifen sie nicht. Jede Stunde, in der nicht gelacht wird, ist eine verlorene Stunde.
Walter Kempowski am 10. Juli 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Chaos und Ordnung. Das Chaos ist das Menschlichere.
Walter Kempowski am 12. Juni 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990
Zur Heiterkeit findet ein Mensch zurück, wenn man sich mit ihm beschäftigt.
Walter Kempowski am 15. Mai 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
„Voll von Wundern war mir die Welt…“, und täglich kommen neue dazu. Anderes sinkt in die Tiefe ab, und kein Schleppnetz holt es wieder herauf.
Walter Kempowski am 1. April 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008
Das Leben im Zeitraffer. Ein Zeit-Mikroskop erfinden. Tage unter einer „Zeit-Lupe“ betrachten.
Walter Kempowski am 14. März 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008
Mit etwas zu beginnen, ist es nie zu spät.
Walter Kempowski am 28. Februar 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Jede Biographie ist ein Gegenstück zu einer anderen. Alle zusammen bilden eine Kuppel, und wir stehen unter ihr und sinnen den Mustern nach, die sich aus den Lebenslinien bilden und sonderbarerweise großartig zusammenfügen.
Walter Kempowski am 8. Januar 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006
Es ist ganz einfach: man muß wissen, was man will. Und das genügt.
Walter Kempowski am 11. Dezember 1990
Hamit – Tagebuch 1990, 2006
Auf eine Idee kommen. – Sie kommt doch auf uns? Oder? Woher? Aus einer Weltraumferne.
Walter Kempowski am 17. November 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008
Sie können uns doch nicht die Sehnsucht nach der Heimat übelnehmen. Der Unterschied zwischen dem Zuhause und der Heimat.
Walter Kempowski am 19. Oktober 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Das Fanal ist es, was immer haften bleiben wird. Eine solche Tat mit
einem so naiv-klaren Ziel wird zwar nicht die Welt verändern, aber als
babylonisches Ereignis dauern. Ich kann nicht Zeitung lesen, nicht
schreiben, nichts […].
Walter Kempowski am 12. September 2001
Tagebucheintrag zu 9/11
Um Tagebuch schreiben zu können, muß man die Gegenwart erleben, als ob man sich an etwas Vergangenes erinnert.
Walter Kempowski am 1. August 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990
Wieso denken wir gleich immer an brennende Kerzen, wenn wir mit den Seelen in Beziehung treten? Auch Blumenopfer sind sinnlos. Setze dich in einen Stuhl und sage leise vor dich hin: Vater, dann steht er sofort neben dir.
Walter Kempowski am 30. Juli 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Ich telefonierte mit Robert, der ganz vergnügt war.
Ich: „Schlechtes Wetter, nicht?“
Er: „Wieso? Ich sitze drinnen.“
Walter Kempowski am 29. Juni 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990
Ihr lieben Tagebuch-Schreiber, was wäre ich ohne Euch!
Walter Kempowski am 18. Mai 1989
Alkor – Tagebuch 1989, 2001
Über Kinder und junge Hunde haben sich bestimmt schon die Neandertaler gefreut.
Walter Kempowski am 23. April 1983
Sirius – Eine Art Tagebuch, 1990
Der Tag sammelt die Lebenskristalle an, ohne daß man es wahrnimmt. Man pickt sie erst auf, wenn sie sich gehärtet haben. Das kann Jahre dauern, bis sie reif sind.
Walter Kempowski am 8. März 1991
Somnia – Tagebuch 1991, 2008
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Mit einem Vorwort von Joachim Gauck
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