Im Netz entdeckt

Immer wurde viel berichtet und geschrieben – über den „Chronisten“, den „Sammler“ oder den „Herrn der Tagebücher“, kurz: über Walter Kempowski.
Viele dieser Berichte sind mittlerweile auch ins Netz gegangen. Eine Auswahl von Rezensionen ist im Folgenden zusammengestellt, die Sammlung wird von Zeit zu Zeit aktualisiert und ergänzt.

Ein Werkverzeichnis und weiterführende Literatur zu Walter Kempowski finden Sie hier.




Horst Bienek:
Über Walter Kempowski: Im Block
Jede Menge Barcelona
In: Der Spiegel 24/1969, 9. Juni 1969

„Horst Bienek, 39. In Gleiwitz geboren, war Mitglied von Brechts ‚Berliner Ensemble‘, bevor er 1951 aus politischen Gründen in der DDR verhaftet wurde. Nach vier Jahren Lagerhaft in Workuta wurde er amnestiert, seit 1956 lebt er in der Bundesrepublik. Er veröffentlichte Lyrik und Erzählungen (‚Traumbuch eines Gefangenen‘) und erhielt 1968 für seinen Roman ‚Die Zelle‘ den Bremer Literaturpreis. – Walter Kempowski, 40. Reeder-Sohn aus Rostock, war wegen angeblicher Spionage von 1946 bis 1956 im Zuchthaus Bautzen inhaftiert. Er lebt heute als Lehrer in Niedersachsen.“


Rolf Becker:
Über Walter Kempowski: Tadellöser & Wolff
Herr Hitler müsse es wissen
In: Der Spiegel 18/1971, 26. April 1971

„Walter Kempowski, 42, geboren in Rostock. wegen ‚Spionage‘ acht Jahre im DDR-Zuchthaus Bautzen inhaftiert, wurde 1969 mit dem Buch ‚Im Block‘ bekannt. Er lebt heute als Lehrer in Nartum bei Bremen.“


N. N.:
Hauptsache gesehen
Über Walter Kempowski: Haben Sie Hitler gesehen“
In: Der Spiegel 10/1973, 5. März 1973

„Zwölf Jahre lang hat der Romanautor Walter Kempowski Bundesbürger nach persönlichen Erfahrungen mit Hitler befragt. Im Hanser-Verlag erscheinen jetzt die gesammelten Antworten.“


Rolf Becker:
Ein Drama erster Güte
Walter Kempowski: „Ein Kapitel für sich“
In: Der Spiegel 40/1975, 29. September 1975

„Als Walter Kempowski 1969 das Buch ‚Im Block‘ veröffentlichte, war das ein vielfach bemerkenswertes Debüt: der Erstling eines noch unbekannten Autors. der ein hoch emotional besetztes Thema – seine Verhaftung als ‚Spion‘ durch die Russen 1948 in Rostock, seine acht Jahre im Zuchthaus Bautzen – auf eine erstaunlich distanzierte, ironische, ja streckenweise komische Manier bewältigt hatte.“


Klaus Modick:
Fest des Wiedersehens
In: Die Zeit vom 7. Oktober 1988

Über Walter Kempowskis Roman „Hundstage“


Volker Hage:
Der Herr der Tagebücher
In: Der Spiegel 53/1992, 28. Dezember 1992

„Er sei bloß ein pedantischer ‚Buchhalter der Zeitgeschichte‘, hieß es hämisch, doch unbeirrt schrieb der erfolgreiche Romancier Walter Kempowski seine Chronik des deutschen Bürgertums fort. Im Herbst 1993 soll sein Megawerk ‚Echolot‘ erscheinen – der minutiöse Querschnitt durch zwei Monate im Jahre 1943.“


Volker Hage:
Bis ans Ende meiner Tage
In: Spiegel spezial 5/1993, 1. Mai 1993

„Der Schriftsteller Walter Kempowski über sein Archiv und das ‚Echolot‘-Projekt.“


Frank Schirrmacher:
In der Nacht des Jahrhunderts
Walter Kempowskis „Echolot“
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. November 1993
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Keine Klasse der heutigen Gesellschaft unterdrücken wir so rücksichtslos wie die Toten. In ‚Echolot‘, einer der größten Leistungen der Literatur unseres Jahrhunderts, würdigt Walter Kempowski die Lebenden von einst.“


Volker Hage:
Das hatte biblische Ausmaße
In: Der Spiegel 13/2000, 27. März 2000

„Walter Kempowski dokumentiert in seinem einzigartigen Zitatwerk ‚Echolot‘ fremde Stimmen mit Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg – der dritte Teil ist in Vorbereitung. Bisher hat der Schriftsteller über eigene Erlebnisse im Bombenhagel nur zögerlich Auskunft gegeben.“


Volke Hage:
Der Chor der Stummen
In: Der Spiegel 7/2005, 14. Februar 2005

„Der Erzähler und Chronist Walter Kempowski hat nach 25 Jahren sein Weltkriegsepos ‚Echolot‘ vollendet, das fast nur aus Zitaten besteht - und gewährt in einem Tagebuch überraschende Einblicke in die aberwitzige Entstehungsgeschichte des gewaltigen Werkes.“


Gustav Seibt:
Nun schweigen an allen Fronten die Waffen
In: Süddeutsche Zeitung vom 25. Februar 2005

„Ein Vierteljahrhundert sammelte er unermüdlich Tagebücher und Aufzeichnungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt hat Walter Kempowski sein ‚Echolot‘ fertig gestellt. ‚Abgesang‘ ist der letzte Band eines in der deutschen Literaturgeschichte einzigartigen Werks.“


Hannes Hintermeier:
Walter Kempowskis „Echolot“
Die Archive des Grauens
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. März 2005
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Auch für Walter Kempowski ist mit der Vollendung des ‚Echolot‘ eine Geschichte zu Ende gegangen. Erst dieses Mammutunternehmen brachte ihm jene Anerkennung, die man ihm lange Jahre aus zweifelhaften ideologischen Unterströmungen heraus versagt hatte.“


Ulrich Baron:
Im grünen Bereich
Walter Kempowskis jüngstes Tagebuch über seinen rastlosen Schriftstelleralltag
In: Die Zeit vom 16. März 2006

„Für Zeitgeschichte hat Walter Kempowski, was man bei Gärtnern einen ‚grünen Daumen‘ nennen würde. Sie wächst sich bei ihm zu etwas aus, was kaum einzuhegen ist, und er wächst dabei in sie ein. Das galt für die ‚Deutsche Chronik‘ seiner eigenen Familiengeschichte, das galt für die gewaltige Stimmencollage seines ‚Echolot‘- Projektes und für dessen Werkjournal ‚Culpa‘ (2005), und das gilt erst recht für seine publizierten Tagebücher, deren drittes nun auch die Entstehung des ersten dokumentiert.“


Hannes Hintermeier und Edo Reents:
Der Mensch muß uns doch für verrückt halten!
Interview Walter Kempowski
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. September 2006
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Späte Geständnisse sind seine Sache nicht – Zeugnis ablegen auf wahrhaftige und durchaus unterhaltsame Art hingegen schon. Mit der F.A.Z. sprach Walter Kempowski über den Schmerz des Unterschätztwerdens, Günter Grass und seinen neuen Roman.“


Jürgen Verdofsky:
Wenn zwei Mecklenburger…
Uwe Johnson, Walter Kempowski: „Kaum beweisbare Ähnlichkeiten.“ Der Briefwechsel.
In: Frankfurter Rundschau vom 31. Januar 2007

„… einander Briefe schreiben: Uwe Johnson und Walter Kempowski taten das von 1971 bis 1983 und waren zum Schluss unergründlich vertraut.“


Benjamin von Stuckrad-Barre:
Ich sterbe doch gerne
In: Der Spiegel 19/2007, 7. Mai 2007

„Im vergangenen Herbst diagnostizierten die Ärzte bei Walter Kempowski Krebs. Sie gaben ihm noch drei Monate zu leben. Die hat er überschritten und nutzt die Zeit für seinen letzten Roman. Jeder Tag ist ein großes Glück – auch für die Nachwelt. Ein Vorruf.“


Edo Reents:
Kempowski-Ausstellung
Ihm ging's ja nicht gold
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Mai 2007
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Die Öffentlichkeit hat etwas gutzumachen an Walter Kempowski, dem lange unterschätzten Schriftsteller und Gedächtnisarchivar. In Berlin tut dies jetzt die Ausstellung ‚Kempowskis Lebensläufe‘, die einen Blick in das gewaltige zeitgeschichtliche Archiv des Erinnerungskünstlers erlaubt.“


Edo Reents:
Walter Kempowski
Der macht den Kopf frei
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Juni 2007
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Viel zu lange galt der Bestseller-Autor Walter Kempowski im Literaturbetrieb als Außenseiter. Das hat sich gründlich geändert. Das Werk des skeptischen Freigeistes erlebt eine Renaissance – mit guten Gründen.“


Edo Reents:
Zum Tode Walter Kempowskis
In der Echokammer seines Jahrhunderts
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Oktober 2007
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Sein Kindheitstraum war, ‚Archiv‘ zu werden. Als Chronist der Deutschen wurde er zu einem der bedeutendsten Autoren seiner Generation. Nun ist Walter Kempowski im Alter von achtundsiebzig Jahren gestorben.“


Volker Hage:
Gestorben: Walter Kempowski
In: Der Spiegel 41/2007, 8. Oktober 2007

Jörg Drews:
Nachruf auf Walter Kempowski
Eigenbrötler, Chorleiter, Clown
In: Süddeutsche Zeitung vom 6./7. Oktober 2007

„Im Alter von 78 Jahren starb der Schriftsteller Walter Kempowski. Er war ein grenzenlos Getriebener, erfüllt von großem Ehrgeiz, und konnte doch ganz demütig sein.“


Ludwig Harig:
Alles unter Dach und Fach
In: Die Zeit vom 11. Oktober 2007

„Walter Kempowski, Zeitgenosse, Schriftsteller, poetischer Chronist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist tot. Er starb an Krebs – in seiner zurückhaltenden, schmucklosen, doch lapidaren Sprechweise gestand er unlängst mit einem verschmitzten Lächeln, seine Lebensarbeit habe er unter Dach und Fach gebracht.“


N. N.:

Kuh jagt Huhn
Walter Kempowski: Somnia – Tagebuch 1991
In: Spiegel 15/2008, 7. April 2008

„In seinen Tagebüchern zu lesen ist immer wieder ein Genuss. Seit Walter Kempowski (1929 bis 2007) nicht mehr lebt, kommt zum Vergnügen an der nie erlahmenden Neugier und Sammelwut, dem Eigensinn bis zur Verschrobenheit noch ein Moment von Melancholie und Verlust hinzu. Auch in dem jetzt aus dem Nachlass publizierten Tagebuch mit dem schlafwandlerisch schönen Titel ‚Somnia‘, den Notizen des Jahres 1991 (es ist das letzte Tagebuch, das der Autor noch zum Druck vorbereitet hat), tritt er uns wieder so springlebendig entgegen, so launig und eigenwillig, verbittert und lebensklug wie zuvor schon in den Tagebüchern aus den Jahren 1983, 1989 und 1990: ‚Sirius‘ (1990), ‚Alkor‘ (2001) und ‚Hamit‘ (2006).“


Friedmar Apel:
Walter Kempowski: Langmut. Gedichte
Langmut und Eigensinn
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. April 2009
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Seine ernsten Verse aus dem Stasi-Gefängnis in Bautzen hat er zu Lebzeiten nicht herausgerückt: Erinnerungen von und an Walter Kempowski, der am 29. April 2009 achtzig Jahre alt geworden wäre.“


N. N.:

Abschluss und Abschied
Walter Kempowski: Langmut
In: Der Spiegel 19/2009, 4. Mai 2009

„Letzte Grüße der besonderen Art: Walter Kempowski, der in der vergangenen Woche 80 Jahre alt geworden wäre, der ‚Volksdichter‘, wie ihn Bundespräsident Horst Köhler nannte, der Romancier (‚Tadellöser & Wolff‘) und Arrangeur großartiger Textcollagen (‚Echolot‘), hat Gedichte hinterlassen. Es sind knappe, karge Verse, überwiegend ohne Titel, hingehaucht wie Bleistiftskizzen: Kein Gedicht umfasst mehr als zwölf Zeilen.

 

 

Kai Sina:
Walter Kempowski: Umgang mit Größen
Kochen alle nur mit Wasser
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Mai 2011
(Der Download des im FAZ-Archiv zu findenden Artikels ist kostenpflichtig.)

„Walter Kempowski war ein scheuer Mensch, der sich nicht traute, Susan Sontag um ein Autogramm zu bitten. Sein ‚Umgang mit Größen’ ist respektlos. Respektlos ist er auch vor sich selbst. Das macht seine Größe aus.“


Volker Weidermann:
Jetzt kann jeder Kempowski sein
In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 30. März 2014

„Sechs Jahre nach dem Tod des großen Autors und Sammlers erscheint ‚Plankton‘: Alltagsgeschichten, die man im Netz fortschreiben darf.“


Edo Reents:
Der kann Fragen stellen!
Walter Kempowskis „Plankton“
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. April 2014

„Sein Leben lang hat Kempowski Plankton gefischt: wildfremde Leute ausgefragt. Was sie ihm erzählten, ist nun als Buch erschienen. Es ist imponierend. Aber ist es auch Literatur?“


Lutz Hagestedt:
Erfahrungen, die ein Leben ausmachen
Die staunenswerte Produktivität Walter Kempowskis zeitigt einen neuen Befragungsband: „Plankton“
In: Literaturkritik.de vom 22. April 2014


Michael Rutschky:
Besessen vom eiskalten Dämon der Befragung
In: Die Welt vom 4. Mai 2014

„Sieben Jahre nach seinem Tod erscheint Walter Kempowskis ‚Plankton‘. Das ‚kollektive Tagebuch‘, kompiliert aus Kempowskis gewaltiger Sammlung, ist der Schlusspunkt seines Wegs vom Roman zum Material.“